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Jugend-Internet-Monitor 2026: Was die Zahlen für dein Marketing bedeuten – und was nicht

Der Jugend-Internet-Monitor 2026 ist da, und die Schlagzeile schreibt sich von selbst: Fast alle Plattformen verlieren Nutzende, KI-Chatbots explodieren. Spätestens in ein paar Tagen kursieren die ersten LinkedIn-Posts mit der Botschaft „Sei jetzt auf TikTok, sonst verpasst du die Jugend.“

Daniel Zeilbauer
Daniel Zeilbauer

06.08.2026

9 min

Wir machen das anders. Zwei Dinge vorweg.

Erstens: Die Studie befragt 500 Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren, welche Plattformen sie nutzen. Wenn deine Kundschaft 38 ist und Gartenmöbel kauft, ist das keine Landkarte, auf der du sie findest. Es ist eine Vorschau darauf, wie sie sich in ein paar Jahren verhält, plus ein paar Signale, die heute schon für alle gelten.

Zweitens: Die spannendste Zahl steht nicht im Plattform-Ranking. Sie steht in einer Zusatzerhebung. Dazu unten mehr.

Was die Studie wirklich misst – und was nicht

Der Jugend-Internet-Monitor läuft seit 2016. Die EU-Initiative Saferinternet.at lässt jedes Jahr vom Institut für Jugendkulturforschung erheben, welche sozialen Netzwerke und Online-Plattformen 11- bis 17-Jährige in Österreich nutzen. 2026 waren es 500 Befragte, davon 245 Mädchen, die Schwankungsbreite liegt bei 2,7 bis 4,5 Prozent.

Die Frage lautet: „Welche der folgenden Internetplattformen nutzt du?“ Mehrfachantworten erlaubt.

Das ist wichtig, weil daraus zwei Grenzen folgen. Die Studie misst Nutzung, nicht Kaufverhalten. Und sie misst Jugendliche, nicht deine durchschnittliche Käuferschaft. Wer beides überliest, baut seine Strategie auf einem Missverständnis auf.

Plattform-Nutzung ist nicht gleich Kaufabsicht. Dass 64 Prozent der Jugendlichen TikTok öffnen, sagt nichts darüber, wo sie ihre Sneaker bestellen – und schon gar nichts darüber, wo deine erwachsene Zielgruppe das tut.

Die Zahlen im Überblick

Die Reihenfolge der Top 6 ist praktisch unverändert. Auffällig ist etwas anderes: Fast jede Plattform hat verloren.

Vergleihstabelle Bildformate

BildtypEmpfohlenes Format
ProduktfotoJPG oder WebP
LogoSVG, Fallback PNG
Grafik mit TransparenzPNG oder WebP
IconSVG
Blog-HeaderJPG oder WebP

Dahinter wird das Feld breiter: Pinterest (31 %), Roblox (23 %), Discord (18 %), Twitch (14 %), Facebook (11 %), Signal und Reddit (je 9 %), X (8 %). Den größten Absturz legt BeReal hin: von rund einem Drittel der Befragten im Jahr 2024 auf 7 Prozent.

Ein paar Beobachtungen, die in den Schlagzeilen untergehen:

WhatsApp führt nicht nur das Ranking an, es wird auch täglich genutzt: 84 Prozent der WhatsApp-Nutzenden öffnen die App jeden Tag. Bei YouTube sind es nur 50 Prozent. Reichweite und tägliche Präsenz sind also zwei verschiedene Dinge.

Microsoft Teams auf Platz 6 ist kein Marketingkanal, sondern ein Artefakt der Schule. Es taucht im Ranking auf, weil Unterricht und Gruppenarbeit darüber laufen. Für deine Content-Planung ist die Zahl irrelevant.

Bei den Geschlechtern sind die Unterschiede meist klein. Größer werden sie bei YouTube und TikTok, die bei Jungs etwas stärker laufen, und bei Teams, das Mädchen häufiger nennen.

„Alle Plattformen verlieren“ heißt nicht „Jugendliche gehen offline.“ Ihre Zeit verteilt sich auf mehr Angebote, sie verschwindet nicht. Neben Social Media laufen Streaming-Dienste wie Spotify, Netflix oder Disney+ – und KI-Chatbots.

Die eigentliche Nachricht: 94 Prozent nutzen KI-Chatbots

Hier wird es für jeden interessant, der online verkauft. Saferinternet.at hat dem Thema eine eigene Erhebung gewidmet, weil KI im Alltag der 11- bis 17-Jährigen fest verankert ist. Das Ergebnis: 94 Prozent der befragten Jugendlichen nutzen Chatbots wie ChatGPT. Die Detailauswertung „KI-Chatbots als Alltagsbegleiter für Jugendliche“ wurde am 9. Februar 2026 veröffentlicht.

Saferinternet.at nennt diese Zahl selbst als Teil der Erklärung für den Social-Media-Rückgang. Wer eine Frage hat, etwas erklärt bekommen oder einen Text verbessern will, geht zum Chatbot. Schnell, ohne Werbung, ohne Scrollen.

Das ist genau die Bewegung, die wir bei der klassischen Suche schon beschrieben haben. Einfache Informationsfragen, die früher bei Google oder in Foren landeten, beantwortet jetzt eine KI direkt. (Siehe dazu unseren Artikel Ist SEO tot? SEO, KI & GEO)

Für Shopbetreibende bedeutet das: Die Generation, die in zwei bis fünf Jahren regelmäßig bei dir kauft, startet ihre Recherche im Chatbot. Wenn dort dein Produkt nicht auftaucht, existierst du in diesem Moment nicht. Maschinenlesbare Produktinfos, saubere strukturierte Daten und klar beantwortete Fragen entscheiden darüber, ob eine KI dich zitiert oder die Konkurrenz.

Was das für deine Zielgruppe heißt

Die ehrliche Antwort hängt davon ab, an wen du verkaufst. Zwei Fälle.

Fall 1: Du verkaufst an Jugendliche oder junge Erwachsene. Mode, Gaming, Beauty, Geschenke, Eventtickets. Dann sind die Zahlen für dich eine direkte Landkarte. WhatsApp und YouTube bilden das Rückgrat deiner Reichweite, Kurzvideo auf TikTok, Reels und Shorts sorgt für Entdeckung. Mit einer Einschränkung, die der entscheidende Teil ist: Der Konsum läuft passiv. Viele Jugendliche können laut Studie kaum noch benennen, welchen Creatorinnen und Creatoren sie eigentlich folgen. Sie lassen sich vom Algorithmus berieseln. Du wirst also nicht gefunden, weil dir jemand folgt. Du wirst gefunden, weil der Algorithmus dich ausspielt.

Fall 2: Du verkaufst an Erwachsene. Das trifft auf die meisten mittelständischen Shops zu. Dann ist diese Studie kein Kanalplan, sondern ein Frühindikator. Die Formatverschiebung hin zum Hochkant-Video und die Verlagerung von Suchanfragen in KI-Tools betreffen längst nicht nur Teenager. Sie zeigen sich nur bei den Jüngsten zuerst und am deutlichsten. Wer hier jetzt hinschaut, sieht, wohin sich das eigene Publikum in den nächsten Jahren bewegt.

In beiden Fällen gilt derselbe Befund zur Stimmung: Jugendliche sind von Social Media zunehmend genervt. In Fokusgruppen kritisieren sie zu viel Werbung, zu ähnliche Inhalte über alle Plattformen hinweg, belastende Beiträge und Hasskommentare. Diese Sättigung ist keine Teenager-Eigenheit. Sie beschreibt ziemlich genau, warum generische Werbung überall schlechter funktioniert als noch vor drei Jahren.

Wo du die Zielgruppe findest – und wie du sie dort bespielst

Konkret, Kanal für Kanal.

WhatsApp. Die meistgenutzte Plattform, täglich geöffnet, und im DACH-Mittelstand sträflich unterschätzt. Über WhatsApp-Kanäle und die Business-Lösung erreichst du Menschen direkt, mit Öffnungsraten, von denen E-Mail-Newsletter nur träumen. Die Regel dabei: WhatsApp ist ein privater Raum. Es funktioniert mit Erlaubnis und echtem Mehrwert, nicht mit Werbedruck.

YouTube. Wird im Monitor ausdrücklich auch als Suchmaschine geführt, nicht nur als Videoplattform. Menschen tippen dort ihre Fragen ein, bevor sie kaufen. Produkterklärungen, Vergleiche und How-tos ranken langfristig und arbeiten für dich, lange nachdem das Video online ist.

Kurzvideo (TikTok, Reels, Shorts). Das Prinzip endloses Durchscrollen, das TikTok geprägt hat, bestimmt heute fast alle großen Plattformen. Der praktische Vorteil: Du produzierst ein gutes Hochkant-Video und spielst es auf drei Kanälen aus. Der Haken: Sichtbarkeit kommt über den Algorithmus, nicht über deine Fanzahl.

KI-Sichtbarkeit. Kein klassischer Kanal, aber der mit der steilsten Kurve. Sorge dafür, dass Chatbots dein Sortiment verstehen und empfehlen können.

Fünf Dinge, die du diese Woche angehen kannst:

  1. Ein Hochkant-Video produzieren, dreimal ausspielen: Shorts, Reels, TikTok. Einmal Aufwand, dreifache Reichweite.
  2. Einen WhatsApp-Kanal aufsetzen, statt nur den Newsletter zu pflegen – besonders sinnvoll bei Shops mit wiederkehrenden Käufen.
  3. Produktdaten maschinenlesbar machen: strukturierte Daten, klare FAQ, eindeutige Bezeichnungen. So kann eine KI dich zitieren.
  4. YouTube wie eine Suchmaschine behandeln: Beantworte die Fragen, die deine Kundschaft vor dem Kauf eingibt.
  5. Werbung weglassen, die wie Werbung aussieht. Das Publikum ist gesättigt. Nützlich oder unterhaltsam schlägt laut.

Häufige Fehler beim Lesen solcher Studien

Nutzung mit Kaufverhalten verwechseln. Die Studie sagt, welche App geöffnet wird. Nicht, wo gekauft wird, und nicht, was deine Zielgruppe tut.

Rückgang als Tod lesen. TikTok minus 8 Punkte klingt dramatisch. 64 Prozent Reichweite sind es nicht. Die Aufmerksamkeit verteilt sich, sie löst sich nicht auf.

Der einen heißen Plattform hinterherlaufen. Die Aufmerksamkeit ist fragmentiert. Ein einzelner Kanal ist keine Strategie, und „wir machen jetzt TikTok“ ist kein Plan.

Follower zählen. Bei passivem Konsum entscheidet der Algorithmus, wer ausgespielt wird. Eine große Fanbase ist nett, aber zweitrangig. Reichweite kommt über Relevanz und Distribution.

KI ignorieren. 94 Prozent Chatbot-Nutzung bei Jugendlichen ist das eigentliche Signal der Studie. Und es betrifft längst auch erwachsene Käuferschaft.

Was wir daraus ableiten

Der Rückgang über fast alle Plattformen ist kein Zeichen, dass die Jugend offline geht. Zwei Dinge passieren gleichzeitig: Die Aufmerksamkeit verteilt sich auf mehr Apps, und KI frisst den Anwendungsfall „schnelle Frage“, der früher Google und Foren gehörte.

Für einen Onlineshop ist die wichtigste Erkenntnis deshalb keine Plattform. Es ist die Tatsache, dass die Kaufreise zunehmend in einem Chatbot beginnt. Genau darum reden wir so oft über GEO, die Optimierung für generative KI-Antworten. Wer heute dafür sorgt, dass seine Produktinformationen sauber, strukturiert und zitierfähig sind, baut sich einen Vorsprung auf, den die meisten noch nicht einmal als Wettbewerbsfeld erkannt haben.

Der zweite Schluss ist unbequemer. Die algorithmischen Feeds verlangen Menge und Abwechslung. Ein Video im Quartal reicht nicht. Genau hier setzen wir KI als Werkzeug ein, um genug Varianten zu produzieren, ohne dass die Markenstimme verwässert. Augmentation statt Vollautomatik. Die Idee soll von dir kommen, die Fleißarbeit darf die Maschine übernehmen.

Fazit: Der eine Schritt, der sich lohnt

Wenn du aus dieser Studie nur eine Sache mitnimmst, dann diese: Mach deine Produktinformationen so, dass eine Maschine sie versteht und empfehlen kann. Das ist die Bewegung hinter den Zahlen, und sie betrifft jede Altersgruppe, nur eben die Jüngsten zuerst.

Alles andere ist Kanalarbeit, und die folgt der Strategie, nicht umgekehrt.

Nächster Schritt:

Prüfe, ob dein meistverkauftes Produkt in ChatGPT auftaucht, wenn du nach „bestes [deine Produktkategorie] kaufen“ fragst. Wenn nicht, weißt du, wo die Arbeit anfängt.

Du willst wissen, wo deine Zielgruppe wirklich kauft – nicht nur scrollt?

Wir schauen uns deinen Shop an und sagen dir ehrlich, welche Kanäle sich für dein Geschäft rechnen und welche du dir sparen kannst.

  • Klare Einschätzung, welche Plattformen zu deiner Zielgruppe passen
  • Ein Plan, wie du in KI-Tools und Suchmaschinen sichtbar wirst
  • Realistische Aufwandsschätzung statt Kanal-Sammelwut
  • Konkrete erste Schritte, die du auch ohne uns umsetzen könntest

Quellen

  1. Saferinternet.at – Presseaussendung „Jugend-Internet-Monitor 2026: Deutlicher Rückgang der Social-Media-Nutzung durch Jugendliche“ (26.01.2026): https://www.saferinternet.at/presse-detail/jugend-internet-monitor-2026-deutlicher-rueckgang-der-social-media-nutzung-durch-jugendliche
  2. Saferinternet.at – Servicebereich Jugend-Internet-Monitor (Infografik, Zeitreihen): https://www.saferinternet.at/services/jugend-internet-monitor
  3. Infografik Jugend-Internet-Monitor 2026 (PDF, CC BY-NC, Saferinternet.at / studioback.at): https://www.saferinternet.at/fileadmin/redakteure/Services/Jugend-Internet-Monitor/Jugend-Internet-Monitor-2026.pdf
  4. OTS-Presseaussendung zum Jugend-Internet-Monitor 2026 (26.01.2026): https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260126_OTS0015/
  5. Onlinesicherheit.gv.at (ÖIAT) – Einordnung Jugend-Internet-Monitor 2026: https://www.onlinesicherheit.gv.at/Services/News/Jugend-Internet-Monitor-2026.html
  6. Kaiser-Müller, K. (2026): Jugend-Internet-Monitor 2026. Medienimpulse, 64(1): https://journals.univie.ac.at/index.php/mp/article/view/10295

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